Tomorrowland, Ultra Music Festival: Das ist der Besucherzahlentrick

300.000 Einwohner. Die Stadt Bielefeld, Hauptsitz unseres kleinen demographisch nicht ganz zielsicheren Blogs hat etwa diese Zahl an Einwohnern. Gleich 430.000 hat in diesem Jahr am Electric Daisy Carnival in Las Vegas teilgenommen. 185.000 Besucher waren es auf dem Tomorrowland-Festival, 165.000 derer haben das Ultra Music Festival besucht. Und auch in unseren Breitengraden kam das Electric Love Festival mit 180.000 Besuchern auf das gleiche Niveau wie die Top-Festivals. Das zumindest melden die Veranstalteragenturen der Festivals.

tomorrowland festival

Was passiert, wenn Menschen in der Größenordnung eines ganzen Stadtstaats für wenige Tage in eine Stadt kommen? Wie lässt sich das überhaupt infrastrukturell auffangen? Wie kann man da ein Verkehrschaos vermeiden? Wo bringt man so viele Menschen unter? Angesichts der Zahlen, schlichtweg eine Mammutaufgabe.

“In erster Linie pures Marketing”

Zu allererst: Die logistischen Aufgaben für die Veranstalter sind auch aktuell absolut komplex und können nur von wirklich guten Veranstaltern hinreichend gelöst werden. Vor allem das Casinoparadies Las Vegas wäre wohl dazu in der Lage genügend Betten für die Besucher anzubieten. Doch wer glaubt, dass fast 200.000 verschiedene Menschen auf dem Tomorrowland feiern, der liegt falsch.

Donnerstag ELF festival Electric Love

ELECTRIC LOVE 2016 Photo by Geoffrey Hubbel

“Die Veranstalter zählen die Besucher pro Tag und addieren diese dann am Ende um die Gesamtbesucherzahl zu erhalten”, sagt ein deutscher Booker auf Nachfrage von IAATM. Das sei natürlich nicht verboten, erwecke aber ganz klar den Eindruck, dass das Event unheimlich groß sei. “Das ist in erster Linie pures Marketing, aber natürlich auch verständlich.”

Die tatsächlichen Besucherzahlen muss der Außenstehende daher erst selbst zusammenrechnen. Auf dem Tomorrowlandfestival waren in diesem Jahr am Freitag 60.000, am Samstag 65.000 und am Sonntag weitere 60.000 Besucher. Die meisten davon besaßen aber Tickets für alle drei Tage.

430.000 Besucher, das klingt einfach nach Rock’n’Roll, nach Revolution, nach Woodstock. Eine halbe Million Menschen auf einem Festivalgelände unterzubringen wäre aber logistisch eine schier unlösbare Aufgabe, so ein Veranstalter zu IAATM. Die Tagesbesucherzahlen zu addieren, sei aber gelebte Praxis. “Das machen eigentlich alle.”

Fotocredit: Rudgr.com