Willkommen in der Festival-Champions-League – das war Parookaville 2016

Wie war die Anreise, wie sahen die Toiletten aus, was gab das Lineup her, wie viel Vielfalt hat das Festival geboten, wie steht es um Originalität, Ticketpreise und Verpflegung?

Das IAATM-FESTIVAL-REVIEW ist da! Wir bewerten alle relevanten Festivals in Europa nach den wichtigsten Kriterien für Besucher und Liebhaber der elektronischen Musik.

Überblick

Zum zweiten Mal öffnete an diesem Wochenende das Parookaville Festival am Flughafen Weeze seine Pforten. Zur diesjährigen Ausgabe strömten 50.000 Besucher an 2 Tagen auf das Festivalgelände und wurden von einem großen Line Up mit unteranderem Afrojack, Axwell /\ Ingrosso, Tiesto und Steve Aoki als Headliner empfangen. Unsere IAATM-Redakteure Vany, Arian und Kubi waren für euch vor Ort und berichten von ihren Erlebnissen.

©Julian Huke Photography

©Julian Huke Photography

First things first: Als Parookaville vor einem Jahr seine Premiere feierte, gab es ein süßes Festival zu sehen, bei dem allerdings einige Dinge etwas chaotisch verliefen. Dass das durchaus liebevoll gestaltete Event noch in den Kinderschuhen steckte, das Veranstaltungskonzept zwar grundsätzlich, aber nicht immer bis zum Ende durchdacht war, war teilweise anzumerken. Das alles kann man als “normal” für eine Veranstaltung dieser Größenordnung ansehen. Die Veranstalter von Next Event rund um den ehemaligen ARD / 1Live Reporter Bernd Dicks stellten sich in der Neuauflage von Parookaville nicht nur der Herausforderung, die Probleme aus dem Vorjahr zu lösen, sie gingen zudem das Risiko, alle organisatorischen Aufgaben der Verdopplung der Kapazitäten zu bewerkstelligen. Dafür gibt es bei unserem Festival Review 2 Extrapunkte!

Stages

Es gibt insgesamt 12 (!) Stages auf dem Festivalgelände, alle verfügen über coole LineUps und sorgen dafür, dass das Festivalerlebnis abwechslungsreich bleibt. Ob 1Live Stage, Bootshaus Bühne, Electrisize Stage, oder Pacha Bunker – egal auf welches Genre man nun im besonderen steht – es ist genug für alle da. Mit dem Smirnoff Sound Collective Camp und der Camping Stage von Penny gibts zudem coole Bühnen im Camping Bereich.

Lineup

Headliner wie Axwell^Ingrosso, Steve Aoki, Afrojack, Tiesto, DVBBS, Nervo oder Martin Solveig sind auf der Mainstage am Start gewesen, das Bootshaus hat mit Jauz, Dillon Francis, Valentino Khan oder Yellow Claw ein Topstar Aufgebot am Start gehabt. 1Live brachte Mädchenschwarm Felix Jaehn und Deephouse Star Lost Frequencies nach Weeze, Sam Feldt war ebenfalls zu Gast.

Unser Freund Deepblue konnte Thomas Newson, Jay Hardway und Moti zum Parookaville locken. Laidback Luke hostete seine eigene Mixmash Stage mit Gästen wie Twoloud oder Dirtcaps, AKA AKA, Mike Williams, Henri PFR, Flux Pavillon, Gestört aber Geil und viele weitere bekannte Acts reihten sich ebenfalls ins 2016er Lineup ein wie Youtuber Sarazar, der einen Auftritt im Aerochrone Bunker hatte.

Camping

Super ist: Es gibt auf dem Gelände klare Einweisungen, genaue Platzzuweisungen und diverse Penny-Stores mit günstigen Preisen und die Möglichkeit, sein Handy aufzuladen. All das sind absolute Essentials. Die Duschmöglichkeiten sind in Ordnung, aber natürlich nicht luxuriös, die Toiletten werden laut subjektiver Einschätzung zwar gereinigt, sind aber nix für sanfte Gemüter. Auf dem Campingplatz ist vor allem im zweiten Jahr super Stimmung, die Camping Stage tut dafür ihr übriges.

Wer nicht auf Camping steht, sollte sich bereits mit Erhalt des Tickets eines der Hotelangebote sichern, kurzfristige Hotelbuchungen in der näheren Umgebung (bis 35 KM) sind so gut wie unmöglich.

Empfang (Handy)

Der Flughafen und das Festivalgelände befinden sich genau auf der Grenze zur Niederlande. Was logistisch vielleicht praktisch ist (mit RyanAir kommt man “super-schnell” zum Flughafen und auch wieder weg), sorgt in Sachen Empfang für Probleme. Die meisten Handynutzer werden kein Netz, holländisches Netz oder kaum Netz am Festival haben, T-Mobile Kunden kommen noch am besten Weg. Wer auf Nummer sicher gehen will, besorgt sich ein Walkie Talkie – oder verliert sich nicht; wenn das überhaupt auf einem Festival geht.

Originalität

Parookaville dreht sich um den Gründer Bill Parooka, den ehemaligen Bürgermeister der Stadt. Der Tüftler und Erfinder hatte Parookaville eigentlich nur als seine Kreativwerkstatt gegründet, doch inzwischen erreicht sie Weltbekanntheit. Seit seinem spurlosen Verschwinden wird zu seinen Ehren einmal im Jahr die Stadt wieder zum Leben erweckt. Parookaville ist ein urbanes Festival auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafen in Weeze.

bill parooka

Der verschollene Gründer: Bill Parooka

Nachdem man im vergangenen Jahr noch eine Mainstage aus dem Katalog besaß, die so auch auf anderen Festivals aufgebaut wurde, bekam Parookaville in diesem Jahr die Bühne die der Stadt eben zusteht. Ein imposantes Gebilde aus alten Fabrikteilen, dass den sehr industriellen Charakter seines Heimatbundeslandes Nordrhein-Westfalen nur allzu gut wieder gibt.

Die Hymne kommt von Twoloud und Parookaville Resident DJ FRDY – und weckt bei so ziemlich allen Festivalbesuchern sicher einiges an Erinnerungen.

Preise für Foodcourt + Specials

Auf dem gesamten Festivalgelände wird, wie auch sonst üblich, mit TOKEN bezahlt. An verschiedenen Schaltern / Bankautomaten kann man sich die Token besorgen. 10 Token entsprechen dabei 30 €, mit 1 – 1,5 Token ist man bei Getränken oder Essen dabei. Es gibt viel Auswahl, von den Festivalklassikern wie Fastfood bis zu frischen Steaks, vegetarischem Food, Vitamin-Shakes oder Früchten. Die Preise gehen mit 1,50 € – 3,00 € pro Einheit wirklich in Ordnung und sind im Vergleich zu anderen Festivals im D-A-CH Raum sehr human.

Tickets

Parookaville genießt einen Hype, den im europäischen Raum so nur ein einziges weiteres Festival genießt. Folglich wird die Stadt von Bill Parooka auch gern das “deutsche Tomorrowland” genannt. Die Tickets für das Festival (50.000 im Jahr 2016) gehen weg, wie warme Semmeln. Wenige Stunden nach Verkaufsbeginn sind sie meist auch schon wieder ausverkauft. Durch die Personalisierung ist es zwar außerhalb des offiziellen Verkaufswegs komplizierter an Tickets zu gelangen, aber natürlich nicht unmöglich. Glückliche Festivalinteressierte können also auch über diverse Ticketforen an Karten kommen, empfehlen tun wir dies allerdings ausdrücklich NICHT. Tickets für das Wochenende kosteten etwa 130 Euro, auch das ist mehr als human für ein mehrtägiges Festival mit gutem LineUp.

Anreise

Wenn alles gut wäre, wäre es ja langweilig. Ein kleines Verkehrschaos spielte sich zum Beispiel am Freitag rund um das Festivalgelände ab. Nach dem Festival mussten viele der Besucher, die nicht auf dem Campinggelände unter gebracht waren, zu Fuß mehrere Kilometer Richtung Hauptstraße laufen, um sich dort abholen zu lassen. Auch die Abreise der auf dem Parkplatz geparkten Autos ging mit Wartezeiten von 60-90 Minuten von statten. Hier kann sich das Festival sicher noch steigern.

Gesamtkosten

Wer Parookaville besucht, der muss mit den üblichen Kosten für ein Festival rechnen. Anreise, Parken, Camping, das Ticket – allein dafür sind gute 200-250 € weg. Die weitere Verpflegung auf dem Gelände wird im Durchschnitt etwa 30 Euro pro Tag betragen, so dass mit einer Gesamtsumme von 350 Euro für drei Tage Camping inkl. aller Kosten zu rechnen ist. Natürlich ist es schwer, eine genaue Prognose für die verschiedenen Festivalbesucher zu treffen, mit 350 € ist man allerdings durchaus gut dabei.

FAZIT:

Die Parookaville-Einwohner fanden sich in einer mit viel Liebe zum Detail gestalteten Stadt wieder, in der Sie über zehn Bühnen, eine große Pool-Area, eine Kirche und sogar ein Gefängnis entdecken konnten. Bei besten Wetterbedingungen lag das Augenmerk auf der 80 Meter breiten Mainstage, auf welcher unter anderem Martin Solveig, Don Diablo und KSHMR performten.

Die Cloud Factory war neben der Mainstage die am meisten besuchte Stage. Sie stand am ersten Festival Tag ganz im Zeichen von 1Live. Zu Gast waren mit Felix Jaehn, Lost Frequencies & Sam Feldt einige International erfolgreiche DJs. Am Samstag präsentierte das Bootshaus mit Jauz, Dillon Francis & Will Sparks ein starkes Kontrast Programm.  Auf den anderen Nebenbühnen sorgten Mixmash Recrods, Trap City, Deepblue und Kittball Records für ein Abwechslungsreiches Programm für jeden Musikliebhaber. Eine kleine Besonderheit war hier der City Forest, welcher mit mehreren Hängematten und anderen Sitzgelegenheiten ausgestattet worden war und ein idealer Rastplatz für eine Pause bot.

©Parookaville / Simon Meteling

©Parookaville / Simon Meteling

Die Euphorie und Vorfreude der Besucher war schon ab Donnerstag Abend auf dem Camping Platz spürbar. Selbst erfahrene DJs wie Watermät waren bei uns im Interview positiv vom Festival überrascht.