Wenn David Guetta ein Album veröffentlicht, ist das ganz große Treffen der Pop & Dance-Größen auf einem einzigen Album garantiert. Mit seinem neusten Werk LISTEN legt der inzwischen 47-jährige Franzose aus Paris sein 6. Studioalbum auf – im wahrsten Sinne! Wenn das Wasser im Mund eines jeden Musikproduzenten bereits beim ersten Querlesen der Trackliste zusammenläuft, kann man durchaus von hohen Erwartungen an den neusten Longplayer sprechen.

Die Marke David Guetta steht mit seinem Namen für Radio & Charthits, sein natürlich auch einem hervorragenden Marketing geschuldeten Erfolg ist gleichzeitig Grundlage für eine große Neider- und Haterbasis. Dem kann Pierre David 14 Songs entgegensetzen, die aus eigenen Angaben in zweijähriger Produktionszeit zusammen mit Künstlern wie Ryan Tedder (One Republic), Sia, The Script, John Legend, Nicki Minaj, Birdy, Afrojack, Bebe Rexha, Nicky Romero, Avicii, Stadium X, Daddy’s Groove oder Showtek entstanden sind.


David Guetta Listen Album Cover 2014


Die Wurzeln von David Guettas Erfolg liegen begründet in den Alben Just a little more love oder Guetta Blaster – mit One Love (2008) begann die starke Kommerzialisierung des Guetta Sounds. Der Franzose nutzt in seiner Diskographie hauptsächlich das Marketinginstrument der genreübergreifenden Features. Wenn Sängerinnen & Sänger bzw. Rapper aus Country, Pop, Hiphop & RnB ihre Fans durch die Kollaboration auf den “typischen” Guetta Sound aufmerksam machen, erhöht schlicht und ergreifend die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ein ganzes Album von David Guetta mögen.

Guetta’s Album Listen ist so etwas wie die Auswertung der ARD / ZDF Online Studie. Wenn man das Album hört, hat man den aktuellen Stand der von der Marke David Guetta selbst ab 2008/2010 revolutionierten / kommerzialisierten Electronic Dance Music in 14 Songs zusammen gefasst, sowie ein kleiner Ausblick auf das was noch kommen wird. David Guetta – Listen – Das große Album Review:

01. Dangerous (feat. Sam Martin)

Vorab: Wer nach Dangerous dachte, das ganze Album von David Guetta würde sich auf diesen Weg begeben, der wird schnell eines besseren belehrt. Dangerous ist eine ruhigere Nummer, sehr radiolastig, aber eben auch eine Ausnahme auf dem Album Listen. Da sie bereits seit Wochen im Radio gespielt wird, brauchen wir hier nicht mehr viele Worte verlieren.

rating35

02. What I Did for Love (feat. Emeli Sande)

Emeli Sande ist vor allem durch ihren Song Read All About It schnell im Bekanntheitsgrad im Mainstream gewachsen, der Track What I Did For Love knüpft so ein wenig daran an, bekommt aber dann eine powervolle, warme Stimmung. Gelungen!

IAATM Review 4 von 5 Sterne

03. No Money No Love (David Guetta & Showtek) [feat. Elliphant & Miss Dynamite]

No Money No Love ist ein typischer Showtek – Song mit David Guetta’s radiofähigem Arrangement. Im Verlauf des Albums wird einem der Einfluss der beiden Brüder Wouter und Sjoerd Janssen, die in den 2000er Jahren auch sehr häufig hinter Scheiben von Tiesto steckten, deutlich. Der Track ist tanzbar, macht gute Laune, wird sicherlich eine Single-Auskopplung mit sich bringen. rating35

04. Lovers on the Sun (feat. Sam Martin)

Produziert von  unter Mithilfe von Avicii bereits einer der (Spät-) Sommerhits des Jahres, Sam Martins Stimme, Avicii’s Soundset = aktueller Dance / Pop. Solide Nummer aber schon viel zu oft gehört. rating35

05. Goodbye Friend (feat. The Script)

Wahnsinn. The Script kann auch Dance. Und wie. Goodbye Friend sprüht nur so vor Emotionen. Der beste Song auf dem Album, mit 100%iger Sicherheit auch eine Auskopplung die LANGE in den iTunes Charts auf den vorderen Plätzen zu finden sein wird. Ein absolut grundsolider Aufbau, im Break spielt der bereits bei der Without You Collab mit Usher genutzte Synth, dann die progressive Gefühlsexplosion – übrigens wurde der Song unter anderem von Stadium X (Protocol Recordings) geschrieben. IAATM Review 5 von 5 Sterne

06. Lift Me Up (feat. Nico & Vinz)

Die Zusammenarbeit mit Nico & Vinz beruht sicher auf deren Erfolg mit dem Sommertrack Am I Wrong und macht auch einen sehr soliden Eindruck. Rausgekommen ist ein lockerer, leichter Song, der in das Konzept des Albums reinpasst. Allerdings kein Track der einem lange im Gedächnis bleiben würde. IAATM Review 3 von 5 Sterne 07. Listen (feat. John Legend)

All Of Me – die Ballade des sanften souligen Sängers John Legend ist immer noch im Gehör, da kommt mit Listen der Titelsong zum Album daher. Melodisch, sensibel aber doch erwachsen – das ist Listen. Album und Track.

IAATM Review 4 von 5 Sterne

08. Bang My Head (feat. Sia)

David Guetta und Sia sind seit dem Song Titanium aber auch She Wolf als perfekte Kombination bekannt – und auch für Bang My Head wurde ein sehr melodie- und energiegeladenes Umfeld geschaffen, in das Sia mit ihrer freakigen, einzigartigen und charismatischen Stimme perfekt rein passt. Super Song, einziger Nachteil: Es wirkt eben irgendwie, wie schonmal gehört. Beteiligt an dem Song ist übrigens auch ein altbekannter Freund von Guetta – Nicky Romero.

rating35

09. Yesterday (feat.Bebe Rexha)

Der neunte Track auf Listen klingt wieder verdächtig nach dem so erfolgreichen Schweden Avicii. Die melodische Signatur von Tim Bergling ist hier wieder einmal kaum zu überhören – passt aber eben in das Gesamtkonzept des Albums: Der aktuelle Stand der EDM – Szene ist auf Listen niedergeschrieben. Bebe Rexha – unter anderem als Songwriterin für Rihanna, Eminem, Madonna oder Selena Gomez tätig, singt eine flippige, poppige Nummer mit klarer Message: Schau nicht zurück, nur nach vorn.

IAATM Review 4 von 5 Sterne

10. Hey Mama (feat. Nicki Minaj & Afrojack)

Ein typischer Afrojack – Sound trifft auf die einzigartige Stimme von Nicki Minaj. Sehr kontroverse Persönlichkeiten treffen für einen Song aufeinander der definitiv zum Bewegen auf jedem Main-Floor in der Großraumdiskothek anregt. Aber irgendwie nicht so ganz unser Fall.

IAATM Review 2 von 5 Sterne

11. Sun Goes Down (David Guetta & Showtek) [feat. MAGIC! & Sonny Wilson]

Auch bei Sun Goes Down bestätigt sich so ein wenig der Eindruck, dass David Guetta auf altbewährte Kombinationen – Showtek, Magic! & Sonny Wilson – das war das Team hinter dem größten Mainstream Erfolg von Showtek -> Booyah. Wider Erwarten hat Sun Goes Down aber weniger von Booyah als von einer gewagten Mischung aus Raggae und Bigroom-House. Cooler Track, aber irgendwas fehlt da noch…! IAATM Review 3 von 5 Sterne 12. S.T.O.P (feat. Ryan Tedder)

Dass Ryan Tedder sehr EDM-Affin ist, zeigen seine unzähligen Zusammenarbeiten mit Artists aus der Szene. Er ist unter anderem mitverantwortlich für das 2015 erscheinende Album von Axwell ^ Ingrosso und ist für Songs mit Alesso & Co. bekannt. Für David Guetta schrieb der One Republic Frontmann S.T.O.P. – eine coole Dance-Nummer, auch hier wieder starke Melodien und klarer Sound. Auch hier aber leider ein Song den man schnell wieder vergisst.

rating35

13. I’ll Keep Loving You (feat. Jaymes Young & Birdy)

Der Song ist eine uptempo Ballade. Echt nett zu hören, beim Auto fahren im Radio… Allerdings auch hier wieder das Problem: Er bleibt nicht im Kopf, er fährt nur dran vorbei. Angenehm, aber kein Wiedererkennungswert. Schade!

rating35

14. The Whisperer (feat. Sia) Sia hat bereits im letzten Jahr mit ihrem Song Elastic Heart einen ähnlichen Song geschrieben – The Whisperer steht dem von der Grundstimmung her in nichts nach. Der gefühlvoll gesungene Song hat zwar ‘mal so gar keinen typischen David Guetta – Anteil, geht aber als leicht düstere Ballade durch. Pianos und Strings kreieren das ideale Fundament für Sia’s kraftvolle Stimme. Der Song steht ein bisschen aus dem Album raus und rundet es doch ab. Für Fans von The Hunger Games könnte der Track auch als Titelsong des neuen Films durchgehen. IAATM Review 5 von 5 Sterne

Fazit: Das neue David Guetta Album ist wie auch schon vorherige Platten vor allem von Giorgio Tuinfort produziert worden, der hinter vielen Nummern von namhaften Künstlern steckt, aber eher weniger Interesse an der Vermarktung seiner Person hat. Quasi ein Maarten Vorwerk.Man erkennt in jedem Song auf dem Album ein Konzept.

Dass David Guetta die Tracks ganz alleine produziert haben soll, das ist ausgeschlossen, dass er persönlich bei jedem Track involviert war, durchaus fragwürdig, aber auch nicht weiter tragisch. David Guetta ist eben die Marke. Das Album sorgt für gute Laune, es beinhaltet überragende Produktionen und zeigt: EDM ist nicht unbedingt Einheitsbrei, sondern einfach sehr nah an die Popmusik gerutscht. Natürlich ist es keine “musikalische Revolution” wie Just a little more Love. Die braucht es aktuell aber auch nicht. Listen ist vor allem verglichen mit Calvin Harris Album Motion ein ganzes Stück stärker. Von uns gibts neben einer Kaufempfehlung natürlich auch ein sehr positives Fazit:

IAATM Review 4 von 5 Sterne